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Was ist die Feldenkrais-Methode? Vielen Dank für Ihr Interesse an der Feldenkrais-Methode!
Ich selber habe sie als Jugendliche entdeckt, nachdem mir das Buch "Bewusstheit durch Bewegung" von Moshe Feldenkrais in die Hände gefallen ist. Die Faszination dafür hat mich bis heute nicht losgelassen.
Im Folgenden versuche ich Ihnen einen kurzen Einblick in den Ursprung und in die Anwendung der Feldenkrais-Methode in heutiger Zeit zu verschaffen, damit Sie sich selbst ein Bild machen können. Dabei erlaube ich mir Passagen aus dem Buch "Die Entdeckung des Selbstverständlichen" von Moshe Feldenkrais (erschienen 1987 als Suhrkamp Taschenbuch) zu zitieren. Sie sind zwar in ein wenig altmodischer Sprache gehalten, aber dennoch ganz wunderbar geeignet, den Geist wieder zu geben, in dem Moshe Feldenkrais seine Arbeit entwickelte.
Ich freue mich von Ihnen zu hören, wenn Sie die Feldenkrais-Methode dann auch einmal praktisch ausprobieren möchten!
Ihre Carolin Theuring
* Die Feldenkrais-Methode ist nach dem israelischen Ingenieur und Wissenschaftler Dr. Moshe Feldenkrais (1904-1984) benannt. Seine Lebensgeschichte ist untrennbar mit der Entwicklung seiner Methode verbunden.
Er beschreibt, wie alles seinen Anfang nahm: "Als junger Mann spielte ich eifrig Fußball und zwar als linker Verteidiger. Bis ich mir einmal das linke Knie so verletzte, dass ich einige Monate lang nicht richtig gehen konnte. Chirurgische Eingriffe am Knie waren damals noch nicht so selbstverständlich wie heute. Ich habe daher lernen müssen, mit solch einem Knie umzugehen, und dieses Lernen hat mir den Sinn geöffnet dafür, wie dringend es ist, das Lernen schlechthin zu erlernen." (S. 22, Suhrkamp, 1987) *
In Russland geboren zog er als Vierzehnjähriger nach Palästina, legte mit 23 Jahren das Abitur ab und studierte Mathematik. Nach einiger Zeit als Landvermesser ging er nach Paris an die Sorbonne, um zu promovieren. Dort war er dem Laboratorium von Frédéric Joliot-Curie zugeteilt, der später den Nobelpreis für Physik erhielt. Damals lernte Moshe Feldenkrais auch Professor Kano, den Schöpfer des Judo, kennen und brachte es bis zum Schwarzen Gürtel im Judo.
Im Zweiten Weltkrieg flüchtete Feldenkrais nach England. Anfang der fünfziger Jahre wurde er wieder nach Israel berufen, wo er seine Arbeiten fortsetzte und sich gleichzeitig immer mehr seiner Methode, ihrer Weiterentwicklung und ihrer Weitergabe widmete.
Er arbeitete mit Säuglingen, Kindern und Erwachsenen aus aller Welt - mit Musikern, Künstlern, Sportlern, Gelehrten, Politikern, kranken Menschen, behinderten Menschen, gesunden Menschen. Die Universalität der Methode liegt darin begründet, dass jeder, egal in welchem Zustand er sich befindet, sein körperliches Potential und seine Handlungsfähigkeit verbessern kann. Man kann immer noch ein bisschen virtuoser, schneller, beweglicher, schmerzfreier, entspannter - oder was auch immer sonst sich verbessern soll - werden. Es gibt keinen Grund, davon nicht auszugehen. Die Thematik des Lernens hat Feldenkrais nie mehr losgelassen. Er war ein Universalgelehrter seiner Zeit und zusätzlich unermüdlich damit befasst, sein Wissen praktisch anzuwenden, um die Menschen dabei zu unterstützen, mehr so zu leben, wie sie es sich wünschen, egal, wer sie sind und welche Schwierigkeiten sie mitbringen. Er schreibt: "Ich fasse also mit meinen Händen an und habe dies an tausenden und abertausenden Menschen aller Art getan. Dieses Anfassen, Berühren, Bewegen, dieses Be-Greifen und Be-Handeln lebender menschlicher Körper ermöglicht es mir, die Erkenntnisse der großen Forscher und Autoren in die Praxis umzusetzen und dadurch etwas zu erreichen, wovon diese selbst keine Ahnung hatten, nämlich die unmittelbare Nutzanwendung ihres Wissens hier und jetzt, indem ich es in die nicht-verbale Sprache der Hände übertrage als Funktionale Integration und in die verbale, die Wort-Sprache, als Bewusstheit durch Bewegung." (S. 25, Suhrkamp, 1987) In der Praxis werden auch heute die beiden unterschiedlichen Ausübungsformen der Feldenkrais-Methode auf diese Weise unterschieden:
Funktionale Integration. Wenn Sie eine Stunde in Feldenkrais-Funktionale Integration erhalten, werden Sie zumeist direkt vom Feldenkrais-Practitioner bewegt. Ihr Körper, ihr Nervensystem, also SIE, erhalten dadurch Informationen und Anregungen, die Ihr Handlungsspektrum erweitern werden. Dabei ist die Berührung nicht korrigierend; sie ist integrierend. Körperregionen und Bewegungsabläufe, die Ihnen nicht mehr präsent waren, werden durch diese Interaktion wieder bewusst gemacht. *
Bewusstheit durch Bewegung
heißen Feldenkrais-Stunden, in denen Sie vom Feldenkrais-Practitioner mit Worten angeleitet werden. Die Ziele liegen nicht anders als bei Funktionaler Integration, bis auf den Unterschied, dass hier Sie selber die Bewegungen steuern. Dabei lernen Sie gleichzeitig Ihren Umgang mit sich selbst zu hinterfragen.
"Denn ohne zu wissen, wie wir etwas tun, können wir ja auch nicht sicher sein, dass wir es so gut machen, wie es unseren latenten Fähigkeiten nach möglich wäre. Gewiss, die meisten einfachen Handlungen führen wir für unser Bedürfnis gut genug aus. Und doch fühlt jeder von uns, dass er manches besser tun möchte." (S. 33, Suhrkamp, 1987) Stunden in Feldenkrais-Bewusstheit durch Bewegung finden meistens in der Gruppe statt. Jede Stunde dreht sich um ein bestimmtes Thema oder eine bestimmte Fragestellung. Oft werden die Lektionen im Liegen ausgeführt, sie können aber auch im Sitzen, Stehen und Gehen ausgerichtet sein. Wirkung und Erfahrungen
So beschrieb Moshe Feldenkrais seine Beobachtungen damals: "Was dabei geschieht, ist, meines Erachtens, dass er lernt; aber kaum einer will das wahrhaben. Was ich da tue hat keinerlei Ähnlichkeit mit irgendeinem Unterricht, wie wir ihn heute kennen. Ich möchte betonen: es handelt sich dabei mehr um den Lernprozess als um eine Technik des Lehrens. Nach jeder Sitzung haben meine Schüler ein neues Gefühl des Wohlbefindens: sie fühlen sich größer, leichter und atmen freier. Oft reiben sie sich die Augen, als ob sie aus einem festen erfrischenden Schlaf erwacht wären, und die meisten sagen, sie fühlten sich entspannt. Der Schmerz ist immer gelindert, oft verschwunden. (...) (S. 30, Suhrkamp, 1987). So beschreiben auch meine Feldenkrais-Klienten heute in der Praxis ihre Erfahrungen: sie fühlen sich größer, leichter, geerdeter, können morgens schmerzfrei aufstehen, besser tanzen, ein Instrument spielen oder unterrichten, sie sind beweglicher, und vieles mehr. Jede Erfahrung ist individuell - jeder kommt mit einem ganz eigenen Wunsch nach Verbesserung in die Feldenkrais-Stunden. *
Lernen versus Therapie
In meiner Feldenkrais-Praxis biete ich Ihnen klassische Feldenkrais-Stunden in Funktionaler Integration und Bewusstheit durch Bewegung an. Ich mische die Arbeit nicht mit anderen Verfahren, Methoden oder Therapien, ich habe selber keinen medizinisch-therapeutischen Hintergrund und ich biete keine Heilbehandlungen an.
Meine Arbeit besteht darin, Sie auf professionelle Weise zu unterstützen, Ihr Bewegungspotential und Ihre Handlungsfähigkeit (neu) zu entdecken und weiterzuentwickeln und Ihnen Wege zu zeigen, wie Sie mit Genuss in Ihrem Körper leben können. Dabei handelt es sich um einen immerwährenden Prozess, in den man zu jedem Zeitpunkt seines Lebens einsteigen kann.
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Es ist nie zu spät!
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Vom Deutschen Feldenkrais Verband (FVD e.V.) anerkannte Feldenkrais-Practitioner haben eine weltweit standardisierte Ausbildung durchlaufen, die sich über 4 Jahre erstreckt.
Literatur: Feldenkrais, Moshé. 1987. Die Entdeckung des Selbstverständlichen. Frankfurt am Main, Suhrkamp Taschenbuch Verlag.
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